Ein Zuhause als Anker – warum Wohnen mehr ist als ein Dach über dem Kopf
Sozialberatung – Thema Wohnen
Wohnen, Arbeit, Freizeit, finanzielle Sicherheit und soziale Beziehungen sind die Grundlage für gesellschaftliche Teilhabe und persönliche Stabilität. Die Klinik Südhang greift diese Themen im Angebot «Soziale Teilhabe» auf. Als Patient*in setzen Sie sich während der Suchttherapie gezielt mit den zentralen Lebensbereichen auseinander und klären gemeinsam mit Ihrer Sozialberaterin oder Ihrem Sozialberater, was Sie für ein selbstbestimmtes Leben benötigen. Das Wohnen ist dabei ein zentraler Bereich, wie dem Gespräch mit David Schaeffer, Sozialarbeiter BSc, entnommen werden kann.
Eine stabile Wohnsituation ist für die Patientinnen und Patienten der Klinik Südhang enorm wichtig. Warum?
David Schaeffer: „Wohnen bildet die Grundlage für eine stabile berufliche und familiäre Situation. Das geht uns allen gleich. Solange die Wohnsituation keine ausreichende Stabilität, Ruhe und soziale Sicherheit bietet, lassen sich alle anderen Schritte im Leben nur schwer umsetzen. Der Mensch verbringt bekanntlich den grössten Teil seiner Zeit bei der Arbeit und in den eigenen vier Wänden. Fühlt man sich dort nicht wohl oder hat keinen Rückzugsort, auf den man sich beim Nachhausekommen freut, wird die gesamte Lebensstruktur instabil.“
Leben viele Patient*innen der Klinik Südhang in instabilen Wohnsituationen?
David Schaeffer: „Viele Patientinnen und Patienten kommen mit einer Lebenssituation zu uns, die dringend Veränderung braucht. Über die Hälfte erlebt eine instabile Wohnsituation, andere durchleben eine Ehekrise oder befinden sich in finanziellen Schwierigkeiten. Deshalb ist das Thema Wohnen ein zentraler Schwerpunkt der Sozialberatung in der Klinik.“
Wie funktioniert die Sozialberatung der Klinik Südhang?
David Schaeffer: «In den ersten zwei Wochen nach ihrer Aufnahme nehmen die Patient*innen der Klinik Südhang mit uns Sozialarbeiter*innen ein Gespräch wahr. Gemeinsam schauen wir, wo sie Unterstützung brauchen, welche Ziele für sie in der Therapie wichtig sind und welche Perspektiven sie für das Leben nach der Klinik entwickeln können. Auf diese Weise unterstützen wir sie, schwierige Situationen zu meistern, neue Lösungen zu finden und ihr Leben wieder selbstbestimmt und stabil nach Austritt aus der Klinik zu gestalten.»
Und wie sieht denn eine Unterstützung von eurer Seite her konkret aus?
David Schaeffer: „Die Patient*innen geben uns einen konkreten Auftrag und bitten um Unterstützung. Danach machen wir mit ihnen eine Auslegeordnung und beleuchten die Schwierigkeiten: Ist es bloss ein finanzielles Problem oder benötigen die betroffenen Menschen grundsätzlich eine soziale Veränderung in der Wohnsituation? Gemeinsam arbeiten wir in Sitzungen am Ist-Zustand, überlegen, was zu ändern ist und was überhaupt änderbar ist. Ich präsentieren in diesen Gesprächen dann auch die Angeboten, von denen ich glaube, würden allenfalls in Frage kommen.“
Zum Beispiel?
David Schaeffer: „Ein Beispiel ist das Projekt Alp. Es richtet sich an Patient*innen mit einem Bedürfnis nach einem familiären Umfeld. Das können die Gastfamilien des Projekts bieten. Ihr Angebot setzt sich aus einer Kombination aus Arbeit und Wohnen zusammen, mit einem Bezugssystem von aussen. Patient*innen machen ein Timeout und leben für eine bestimmte Zeit bei den Gastfamilien. Die Dauer der Auszeit kann zwischen drei Wochen und über einem Jahr variieren, je nach Wunsch der betroffenen Personen, der Gastfamilien und letztlich auch der Finanzierung. “

David Schaeffer, Sozialarbeiter BSc,
Mitglied des Teams Sozialberatung Klinik Südhang
Verantwortlicher für das Angebot «Wohnen»
Was bereitet dir Freude an deiner Arbeit? Wann hast du das Gefühl, einen guten Beitrag geleistet zu haben? Hast du ein Beispiel?
David Schaeffer: „Grosse Freude bereitet mir die enge Zusammenarbeit mit unseren Patient*innen und dem externen sozialen System. Gemeinsam die notwendigen Schritte zu erarbeiten und Herausforderungen zu bewältigen, ist für alle Beteiligten eine positive Sache.
Wenn wir aus einer angespannten Ausgangslage ein befriedigendes Ergebnis erreichen, zeigt das, dass meine Vermittlungsrolle wirkt und ein wichtiger Therapiefaktor angegangen wurde.
Kürzlich konnte eine Patientin wieder an ihre frühere Arbeitsstelle zurückkehren. Beide Seiten haben es nach einem Konflikt geschafft, das verlorene Vertrauen wiederzufinden und den Dialog wieder aufzunehmen. Das hat mich enorm gefreut.”
Die Sozialberatung der Klinik Südhang
Die Sozialberatung betrachtet Sucht als ein Zusammenspiel von körperlichen, psychischen und sozialen Faktoren. Ihr Schwerpunkt liegt auf den sozialen und psychosozialen Lebensbereichen. Die Fachpersonen der Klinik Südhang begleiten Patientinnen und Patienten dabei, ihre Ressourcen zu erkennen und konkrete Schritte für die Gestaltung ihres Alltags zu planen. Ziel der Sozialberatung ist es, bei der Bewältigung von psychosozialen Herausforderungen zu unterstützen, praktikable Lösungen zu entwickeln und die soziale Teilhabe nachhaltig zu sichern.
Die Sozialberatung ist Teil des Behandlungsprogramms „Mensch und Sucht“ für stationäre und tagesklinische Patientinnen und Patienten.








